Interview: Martin Fröhlich über e-Publishing an den Universitäten 5

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Martin Fröhlich, Gründer und Geschäftsführer von PaperC, ist für die Verlagsakquise sowie Marketing und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Mit paperc.com wird demnächst ein großer Schritt in Richtung Internationalisierung vollzogen.
Daneben hat er mit seiner Kollegin Katja Splichal Lehraufträge an diversen deutschen Universitäten, vor allem im Bereich e-publishing und Digitalisierung. Foto: ⒸPaperC

Martin Fröhlich im Interview: Eine Analyse der Ausbildungssituation des digitalen Branchennachwuchses an den Universitäten.

Hallo Martin, welches Interesse steckt eigentlich hinter der Stiftungsdozentur von protoTYPE und welche Motivation hat euch bei PaperC dazu bewogen, die Seminare über e-publishing für Studenten zu begleiten?

Ursprünglich kam der Gedanke zur Stiftungsdozentur von protoTYPE durch die Tatsache, dass die meisten Studenten bei Verlagen arbeiten und sich ausgenutzt fühlen. Studenten sollten aber ihr Potenzial entfalten können und in verschiedenen Bereichen ihres Praktikums Einblick erhalten, um sagen zu können „Ich bin jemand, der ins Marketing gehört oder in den Vertrieb oder lieber im stillen Kämmerlein sitzt und blog-Posts schreibt.“ Das Abfallprodukt sollten by the way die 500€ Praktikantengehalt sein. Die Realität sieht derzeit aber ganz anders aus. Studenten sind immerhin günstige und effiziente Mitarbeiter und die Verlage haben durch sie einen großen Mehrwert, weil sie ihr aktuelles Fachwissen mitbringen.

Das Konzept protoTYPE soll Studenten helfen, ihr Potenzial zu entfalten, Gründungsideen zu entwickeln oder ein praxisrelevantes Thema für Ihre Abschlussarbeit zu finden. Aktuell bietet protoTYPE einen ersten Einblick in die Praxis und damit eine Vernetzung in die Branche.

Ich gehe zudem an die Hochschulen, um zu unterrichten, junge zukünftige Gründer zu emotionalisieren und mit den Studenten innovative Lösungsansätze zu entwickeln. Ich möchte Studenten dazu animieren, ihre eigenen Ideen zu entwickeln, zu begleiten und ihr digitales Baby in der Praxis umzusetzen.
Das war der ursprüngliche Gedanke und mittlerweile kommen Verlage zu mir und sagen: „Herr Fröhlich, was ist eigentlich innovativ an der Sache und welche intelligenten Gründe und Ideen haben Sie aktuell? Welche Studenten könnten diese Idee umsetzen? Können Sie mir jemanden empfehlen?“

Hat sich die Idee weiterentwickelt? Ist aus dem Projekt etwas entstanden, womit du nicht gerechnet hattest?

Ich habe ursprünglich gedacht, dass sich aus protoTYPE etwas extrem Neues entwickelt, etwas, das jungen Gründer die Motivation liefert, sich mit ihrer Idee auf eigene Beine zu stellen und sich zu sagen „Ich ziehe das alleine durch“. Zurzeit scheinen aber gerade junge Gründer den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen und mit Verlagen oder Leuten aus den Vereinen zusammenzuarbeiten, um ihre Ideen umzusetzen und um einen ersten Schritt in Richtung Eigenständigkeit zu gehen. Das ist ok und vollkommen legitim, aber das war nie mein Lösungsansatz.
Meine Idee war es, im Rahmen von protoTYPE Lösungsvorschläge zu entwickeln und mit jungen Gründern die ersten Schritte zu wagen. Erst dann sollen sie Kontakt zu Verlagen, Buchhändlern, Autoren oder Selfpublishing-Dienstleistern aufnehmen, die sie unterstützen und nicht gleich am Anfang für sich vereinnahmen.

Wie ist dein aktuelles Verhältnis zu protoTYPE?

Ich unterstützte weiterhin protoTYPE voll und ganz. Der Börsenverein baut daraus nun ein Netzwerk, was ich befürworte und unterstütze. Meine erste Priorität ist immer noch PaperC und jetzt paperc.com. Ich werde mir das Projekt weiter anschauen und man wird sehen, was in der zweiten Stufe, aus protoTYPE 2013 heraus, entwickelt wird. Ich habe meine Lösungsansätze und Verbesserungsvorschläge bereits dazu abgegeben.
Ursprünglich startete protoTYPE während der Leipziger Buchmesse 2012t, jetzt kommt die zweite Runde 2013 und es wird einiges verbessert. Wir sind gespannt, wohin die Reise geht.

Welchen Ansatz hast du daraus gezogen, mit all den Studenten der verschiedenen Unis zu sprechen? In welche Richtung denken die Leute, welche Zielsetzung haben sie?

Man merkt schon, dass sie vorbelastet sind und ein Blatt vor den Mund nehmen. „Ich will anonym sein und mir keine Berufs- oder Karrierechancen verbauen. Ich will nicht erkannt werden. Es könnte mir ja irgendetwas verloren gehen oder passieren.“ Aber das versuche ich aus den Leuten herauszuholen. Sie sollen einfach mal erzählen, was sie eigentlich stört, was sie sich eigentlich wünschen würden. Trotzdem wollen wir die Ideen herauskristallisieren, die aus Frustrationen heraus entstanden sind. Die Studenten sollen mit ihren Abschlussarbeiten neue Ideen und Themen für sich entdecken.

Und hat deine Arbeit mit dem Branchennachwuchs funktioniert?

Ich merke immer wieder, dass die meisten Studenten nach meinem Seminar emotionalisiert sind und ich sie begeistern konnte, ihre eigenen Gründungsideen umzusetzen. Von meinen 160 Studenten gibt es allerdings leider nur drei bis vier Leute, die sagen: „Ich verfolge meine Idee“. Und von diesen bleibt nur ein Einziger übrig, der die ersten zehn Meter geht.

Woran liegt das?

Sie stehen oftmals alleine da und haben keinen Counterpart, wie ich damals mit Felix. Sie haben eine Idee und können diese alleine nicht umsetzen. Nach der DISG-Formel braucht es verschiedene Charaktertypen: dominant, initiativ, stetig, gewissenhaft. Wenn man diese von vorneherein nicht hat, dann bleibt man innerhalb der ersten zehn Meter auf halber Wegstrecke stehen. Das ist das Grundgerüst, welches man als junger Gründer angehen muss. In der ersten Iterationsebene geht es darum, einen Counterpart zu finden, mit dem man sprechen kann und vor dem man nichts verstecken muss. Mit ihm sollte man auf einer Ebene stehen und sich jederzeit austauschen können.

Wird die Motivation der Studenten nicht auch stark von ihren Studiengängen beeinflusst? Sind diese womöglich zu konservativ ausgerichtet für kreative Ideen?

Je mehr Reputation und Quellen ich zitiere, desto mehr Pluspunkte habe ich in der Branche. Ebenso ist es an den Unis. Je mehr ich zitiere, desto mehr Plusunkte habe ich in meiner Abschlussarbeit. Aber darum geht es letztendlich nicht. Gründungsideen, die aus der Praxis kommen, sind häufig nicht wissenschaftlich anerkannt, aber gerade in der Buchwissenschaft ist es genau das, was zählt. Die Wissenschaft hinkt oftmals der Zeit hinterher, und das ist der größte Verlust, den du haben kannst. Wenn es um Digitalisierung geht, ist das Zauberwort „time-to-market“ und das passiert von heute auf morgen. Wenn man sich nur an die Literatur hält, läuft man den aktuellen Entwicklungen immer hinterher.

Was sollten Universitäten leisten, um das Potenzial der Jugend zu fördern?

1. Es sollte den Studenten ermöglicht werden, ihr studienbegleitendes Praktikum bei der eigenen Gründungsidee mit Hilfe von Verlagen zu absolvieren, um einen Grundeinstieg ins Verlagswesen zu bekommen.
2. Die Universitäten sollten Studenten die Möglichkeit bieten, im Bereich Digital- oder Printwesen aus verschiedenen Kursen zu wählen, um eine gewisse Freiheit zu erlangen. Es kann nicht sein, dass man dazu gezwungen wird, einen Kurs zu belegen und wird dieser nicht bestanden, heißt es „Game Over“. Es sollte mehr Wahlmöglichkeiten geben.
3. Der Einfluss und die Meinung von Studenten innerhalb eines Studienseminars sollten mehr Anerkennung bekommen und eine gewisse Werthaltigkeit erfahren. Das ist ganz wichtig. Es müssen viel mehr Leute aus der Praxis innerhalb des Studiums eingebettet werden, um zeigen zu können, dass man Case Studies gemacht hat oder dies oder jenes kennengelernt hat, um up-to-date zu sein. Es geht darum, zu sehen, was wirklich in der Branche läuft. Man darf nicht sechs Monate hinterherhängen und gleichzeitig denken: „Wir sind live, wir wissen genau was da draußen passiert“. Was im Seminar ankommt, ist oftmals schon Vergangenheit.

Was hast du aus der Arbeit mit den Studenten herausgezogen?

Es sollte den Leuten die Zeit gelassen werden, in kleinen Schritten kreativ voranzukommen. Sie sollten eine langfristige Vision haben und aus der Nische lernen, groß zu werden. Man muss dabei immer im Hinterkopf haben, dass man gleichzeitig sowohl Nutze, als auch Entwickler sein muss, um die Leute zu missionieren. Man ist mit seiner Gründungsidee Multiplikator und geht nach Draußen, um Mehrwert zu schaffen für die ganze Szene. Das ist das Wichtigste, worum es dem Nachwuchs gehen sollte.

Glaubst du, es gemeinsam mit Katja geschafft zu haben, diese Idee erfolgreich weiterzutragen?

Geschafft haben wir es noch nicht, aber wir haben mit protoTYPE einen Grundstein gelegt. Wir haben wirklich etwas geschaffen, was unterstützend wirkt und gleichzeitig durch den Börsenverein unterstützt wird. Man braucht natürlich etwas Geld, um eine Veranstaltung ins Leben zu rufen, um die Organisationsstruktur, die Brainstorming-Sessions und die richtigen Leute zu bekommen, mit dem richtigen Input und dem Overview, was in der Branche passiert und was Gründen bedeutet.

Haben die jungen Brancheneinsteiger und innovativ denkenden Menschen ein positives Bild von der Zukunft der Branche?

Viele sind gespaltener Meinung und wissen gar nicht, wohin die Reise geht, da sie ein Praktikum bekommen haben, aber nichts verdienen. Zudem können sie sich gar nicht entwickeln und entfalten, um früher oder später ihr Potenzial zu entdecken. „Wer bin ich eigentlich und wo sind meine Stärken und Schwächen?“ Das ist der Grundgedanke eines Praktikums. Viele haben also keine Einschätzung oder keinen Bezugspunkt, um entscheiden zu können, was sich verändern soll. Sie haben nicht die Möglichkeit und Flexibilität bekommen, sich frei zu entfalten. Studenten sind die Zielgruppe von morgen und man sollte sie in der Verlagsbranche mehr wertschätzen.

 

Das Interview wurde geführt von Robert Goldschmidt

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5 thoughts on “Interview: Martin Fröhlich über e-Publishing an den Universitäten

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